Macht KI uns denkfaul und dumm?
Worum es in dieser Folge geht
Taschenrechner, Navi und jetzt die KI: Wir lagern unser Denken immer weiter aus. In der Psychologie heißt das kognitives Offloading.
Diese Folge zeigt, was das Auslagern mit unserem Gedächtnis und unserem kritischen Denken macht, und warum es sich lohnt, öfter selbst mitzudenken.
Transkript
Leicht redigiertes Transkript der Folge.
Wann hast du das letzte Mal etwas im Kopf gerechnet, so ganz ohne dein Handy in die Hand zu nehmen? Wann hast du dich das letzte Mal irgendwo ganz neu orientiert, ohne Google Maps zu verwenden? Wir Menschen lagern unser Denken sehr gerne aus, weil unser Gehirn einfach ein Sparfuchs ist und gerne Energie spart.
Das Auslagern des Denkens, einfach um geistige Anstrengung zu sparen, wird häufig mit dem Begriff kognitives Offloading beschrieben. Das ist auch ein ganz normaler Prozess. Aber jetzt kommt die KI ins Spiel, und damit nimmt das Auslagern des Denkens ganz neue Dimensionen an. Denn zum ersten Mal können wir nicht bloß einzelne kleine Denkschritte auslagern, wir können jetzt richtig große Denk- und Lösungsprozesse an die KI abgeben. Das ist natürlich total verführerisch, und deswegen nehmen wir das Angebot der KI ganz häufig an. Warum sollten wir uns auch selbst anstrengen, wenn es eben auch so geht und wir so viel schneller sein können?
Das Problem ist: Das Auslagern hat Nebenwirkungen. In einer Studie aus dem Jahr 2025 sollten Probanden Aufsätze schreiben, mal mit und mal ohne die Unterstützung von künstlicher Intelligenz. Es zeigte sich, dass die intensive KI-Nutzung wirklich dazu führte, dass die behandelten Inhalte, also das, was diejenigen aufgeschrieben haben, weniger gut im Gehirn abgespeichert wurden. Viele der Teilnehmenden konnten die eigenen Texte, die sie ja selbst geschrieben hatten, aber eben mit der Unterstützung von KI, kaum wiedergeben.
In einer anderen Studie wurde untersucht, wie die Nutzung von KI und kritisches Denken miteinander zusammenhängen. Das Ergebnis war sehr eindeutig: Je häufiger die KI-Tools genutzt wurden, desto weniger war das kritische Denken bei den Probandinnen und Probanden ausgeprägt. Dieser Zusammenhang lag bei einer Korrelation von wirklich krassen minus 0,68, und das ist für die Sozialwissenschaften schon ein richtig starker Wert.
Das ist aus mindestens zwei Gründen kritisch. Erstens kann sich KI irren, also falsche Aussagen und falsche Ergebnisse produzieren; wir sprechen da von Halluzinationen. Wenn sie solche Aussagen macht und wir sie dann übernehmen, weil wir nicht kritisch mitdenken, ist das ein Problem. Und der zweite Punkt: Auch wenn sich das Auslagern kurzfristig super effizient anfühlen kann, kann es dazu führen, dass wir langfristig verlernen, selbstständig zu denken, wenn wir uns eben immer auf KI verlassen.
Das wird dann oft auch „Deskilling“ genannt, also das Verkümmern von Fertigkeiten, wenn man sie nicht mehr nutzt, ganz nach dem Prinzip „use it or lose it“. Die eigentliche Gefahr ist so ein unbemerkter Drift: dass wir also mit der Zeit dazu tendieren, immer mehr von der KI zu übernehmen und selbst immer weniger mitzudenken, weil wir uns ebenso daran gewöhnen. Und genau deshalb ist es so wichtig, dass wir uns immer wieder daran erinnern, ab und zu wirklich einen Moment innezuhalten und von der KI erzeugte Ergebnisse kritisch zu hinterfragen.
Was ist denn dein Eindruck? Denkst du immer kritisch mit, wenn du die KI nutzt? Oder hast du manchmal auch den Eindruck, Dinge einfach recht unkritisch zu glauben oder zu übernehmen?
KI nutzen, trotzdem mitdenken und auch noch zu sinnvollen Ergebnissen kommen: Das geht auch, und genau darum geht es in der nächsten Folge.
